Wie sag ich’s meinem Chef? Vor dieser Frage stehen Arbeitnehmer:innen, wenn Sie planen, ein nebenberufliches Studium zu beginnen. Hat man das Vorhaben dann offen angesprochen, stellen sich auch Arbeitgeber:innen Fragen – zum Beispiel: Was spricht für eine Weiterbildung meiner Mitarbeitenden? Wie kann ich meine Angestellten in ihrem Studium unterstützen – und warum sollte ich das tun?
Wir haben mit Torge Goslar, Referent im Bereich Rekrutierung und Studienprogramme der AOK Niedersachsen und Absolvent des Studiengangs Bachelor Gesundheitsökonomie an der APOLLON Hochschule, darüber gesprochen, wie das Thema Studium neben dem Job in seinem Unternehmen gehandhabt wird.
Herr Goslar, wie steht die AOK Niedersachsen zum Thema „Studieren neben dem Job“?
Torge Goslar:In unserem Unternehmen wird es absolut begrüßt, wenn unsere Mitarbeitenden sich durch ein nebenberufliches Studium weiterqualifizieren möchten. Mit der APOLLON Hochschule besteht seit dem Jahr 2009 eine Kooperation: Via interner Veröffentlichungen bieten wir unseren Mitarbeitenden regelmäßig aktiv an, dort den Studiengang Bachelor Gesundheitsökonomie zu studieren. Wir übernehmen, bei Erfüllung bestimmter Voraussetzungen, die Komplettfinanzierung. Insgesamt sind bereits 239 AOK-Mitarbeitende in dieses Studium gestartet, dazu gehöre auch ich. Zudem bieten wir auch eine Teilförderung an, wenn Mitarbeitende das Studium komplett privat absolvieren möchten.
Welche Voraussetzungen müssen die Arbeitnehmer:innen in Ihrem Unternehmen erfüllen, um Unterstützung zu bekommen?
Interessierte Mitarbeitende können sich im Rahmen einer internen Ausschreibung selbst für das Studium bewerben. Nach der Bewerbung durchlaufen die Bewerbenden ein Assessment Center (AC) und erhalten bei Bestehen dieses ACs einen Studienplatz. Die Förderung des Studienplatzes umfasst die Übernahme der Studiengebühren sowie weiterer Förderungen wie z. B. das Gewähren von Lerntagen.
Wie sieht diese weitergehende Unterstützung aus?
Nebenberuflich studierenden Mitarbeitenden gewähren wir zum Beispiel einen Lerntag pro Woche, an dem Sie nicht zur Arbeit kommen müssen. Für Präsenz- oder Online-Seminare werden die Studierenden freigestellt und wenn im Rahmen des Studiums Kosten für Fahrten oder Übernachtungen anfallen, übernehmen wir diese.
Begleiten Sie das Studium in irgendeiner Form?
Ja. Meine Kollegin Nicole Steinmeyer ist die Studiengangsbetreuerin, das heißt, sie bildet die kommunikative Schnittstelle zwischen AOK und Hochschule und kümmert sich um die Anliegen der Studierenden in unserem Hause. Einmal im Quartal findet zum Beispiel ein Jour fixe statt, bei dem sich die Studierenden untereinander, aber auch mit ihr, austauschen können. Zudem melden die Studierenden mir ihren Studienfortschritt regelmäßig zum Ende eines Quartals zurück.
Gibt es ihrerseits Vorgaben bezüglich des Studierens?
Pro Quartal müssen zwei Prüfungsleistungen erfolgreich absolviert werden, so dass die Mitarbeitenden ihr Studium kontinuierlich voranbringen. Das Studium dauert erfahrungsgemäß insgesamt etwa vier Jahre.
Was sind die Beweggründe für die unterstützende Haltung Ihres Unternehmens? Welche Vorteile bieten studierende Mitarbeitende ihrem Arbeitgeber?
Die AOK Niedersachsen hat ein großes Interesse an Personalentwicklung. Es besteht ein hoher Bedarf an Fach- und Führungskräften. Dabei ist es uns wichtig – und mitunter auch günstiger –, diese möglichst intern zu qualifizieren und aufzubauen. Wir bieten unseren Mitarbeitenden in dieser Hinsicht eine Menge, erwarten aber auch etwas dafür – und bekommen viele positive Rückmeldungen. Die Arbeitnehmer:innen schätzen unser Entgegenkommen und unsere Angebote rund um das Thema Weiterbildungen sehr. Viele schildern, dass sie durch das Studium nicht nur inhaltlich vorankommen und einen akademischen Abschluss erlangen, sondern sich auch persönlich weiterentwickeln. Im Studium, insbesondere im Fernstudium neben der Arbeit, lernt man jede Menge Eigenverantwortung und Selbstorganisation – eine Schlüsselqualifikation für Führungskräfte.
Klappt es nach dem Studium denn tatsächlich oft mit dem Karrieresprung im Unternehmen?
Ja, es gibt etliche Mitarbeitende, die mit dem Bachelor in der Tasche in die mittlere und zum Teil sogar obere Führungsebene wechseln konnten. Und auch Fachkarrieren sind üblich. Ich selbst bin da ein gutes Beispiel: Ich habe bereits meine Ausbildung bei der AOK gemacht, war danach u. a. Kundenberater und konnte mich durch mein Studium für die verantwortungsvolle Position im Personalrecruiting qualifizieren.
Autorin: Hayat Issa