23/02/2021

EIN JAHR ONLINE-SEMINARE „GRUNDLAGEN DER KOMMUNIKATION“- EINE PERSÖNLICHE BILANZ

Durch die Pandemie nahm das Thema Digitalisierung auch in der Lehre Fahrt auf. An der APOLLON Hochschule waren hiervon am stärksten unsere Präsenzveranstaltungen betroffen. Schnell wurden diese auf Onlinevarianten neu konzipiert, um unseren Studierenden weiterhin einen flüssigen Ablauf im Studium zu ermöglichen. Welche Herausforderungen, aber auch großen Vorteile die Umstellung von Präsenz- auf Online-Seminare mit sich bringt, berichtet unsere Kommunikationsdozentin Frau Sigrid Zegelman und gibt aus ihrer Dozenten-Perspektive spannende Einblicke.

Es ist mal an der Zeit für mich eine Zwischenbilanz zu ziehen. Seit Februar 2020 bestreite ich alle meine Seminare zum Thema Kommunikation, Konfliktmanagement und Teamentwicklung online über Videokonferenzen.

Nach anfänglichen Schwierigkeiten und Hürden läuft es mittlerweile relativ reibungslos und stressfrei. Auch meine Dozententätigkeit an der APOLLON Hochschule für Gesundheitswirtschaft erfolgt im Moment ausschließlich online.

Kommunikationsseminare online – kann das funktionieren?

Als im Februar 2020 die APOLLON Hochschule mit der Anfrage auf mich zukam, ob ich bereit wäre online Kommunikationsseminare durchzuführen, ahnte ich nicht, dass es sich um eine langfristige Lösung handelte.  Es zeigte sich, dass Präsenzseminare, aufgrund von Corona, erst einmal nicht möglich sein sollten.

Es war es für mich schwer vorstellbar, Inhalte zu Themen wie Kommunikation, im speziellen zu Körpersprache und Konfliktmanagement erfolgreich virtuell zu vermitteln. Schon beim ersten Seminar wurde mir bewusst, wie sehr mir der Seminarraum fehlte, um mich frei durch den Raum bewegen zu können. Meine ausgeprägte Körpersprache musste ich auf ein Minimum an Gestik reduzieren und die Mimik verstärkt einsetzen, damit diese von der Kamera noch eingefangen werden konnte. Ich verzichtete nach ein paar Seminaren auf die Darstellung meiner Person in voller Körpergröße im Bild, z.  B. in Übungen. Ich war nur noch oberhalb der Gürtellinie sichtbar.

Besonders schwer fand ich es, die Stimmung der Studierenden in ihrer Gesamtheit einzufangen. Der virtuelle Raum lässt sich nur schwer fühlen. Emotionen sind nicht spürbar wahrnehmbar und gerade deshalb ist hier eine gute und aufmerksame Beobachtung notwendig.

Gemeinsames Eingewöhnen im virtuellen Raum

Trotz des fehlenden Kontakts kommt jedoch eine andere sehr persönliche Komponente hinzu. Alle Teilnehmenden blicken in die Privatbereiche der anderen und natürlich auch in mein Büro. Der Hintergrund ist oft stark individualisiert, mal provisorisch, mal sehr bewusst gewählt. Das gibt dem Seminar die individuelle Note.

Motivierend für mich war es, dass es besser lief, als erwartet. Die Teilnahme der Studierenden mit Bild, wurde von Seminar zu Seminar selbstverständlicher. Ich glaube, dass auch die Teilnehmer/-innen immer vertrauter mit den virtuellen Möglichkeiten umgehen können und deswegen weniger Hemmungen vorhanden sind die Kamera zu benutzen.

Die digitalen Formate bieten für mich den Vorteil, dass es damit viel einfacher wird, auch Seminare von einem Standort der Wahl durchzuführen. Trotzdem wird die Dozententätigkeit und die Betreuung der Studierenden, in Form von Korrekturarbeiten, dabei nicht unterbrochen.

Online-Seminare mit Konzept – so bleibt es spannend

Entscheidend für die Struktur der Online-Seminare war und ist, eine sehr reduzierte Form der Darstellungsweise. Wenige, aber gut übersichtliche PowerPoint-Folien, abwechslungsreiche Methodik und Didaktik sind deshalb gefragt. Einzelarbeiten, Kleingruppenarbeiten, wie auch Videoeinspielungen, ließen mich den Tag kurzweilig und weniger anstrengend gestalten. So zumindest lauteten die Rückmeldungen der Studierenden.

Besonders zu beachten von Dozentenseite ist, dass ausreichend kurze Pausen eingebaut werden, um die Konzentration der Studierenden nicht überzustrapazieren und auch meine gleichbleibende Leistungsfähigkeit zu erhalten. Somit sollten alle zur Verfügung stehenden methodischen Mittel genutzt werden. Außer Frage steht, dass die Fixierung auf den Bildschirm – gerade für solche Art von Seminaren – eine immense Konzentration und Disziplin auf beiden Seiten- erfordert.

Ein gewisses Multi-Tasking-Talent ist zudem notwendig: Software bedienen, Seminarkonzept im Auge behalten, auch die vielen kleinen Videomonitore im Blick haben und mögliche technische Probleme managen. Aber mit der häufigen Nutzung und der zunehmenden Anzahl der Seminare kam bei mir auch die Sicherheit im Umgang mit der Videokonferenz-Software.

Präsenzseminare bleiben weiterhin ein wichtiges Mittel für die Lehre

Ich gestalte meine Online-Seminare und deren Durchführung mittlerweile identisch und sicher analog zu meinen Präsenzseminaren. Die Rückmeldungen bezüglich der Online-Seminare sind weitgehend positiv.

Welche konkreten Auswirkungen der digitale Seminarraum auf die Lehre haben wird, kann ich abschließend noch nicht beurteilen. Allerdings stelle ich eine vermehrte „Online Müdigkeit“ fest. Von Seiten der Klient/-innen und Studierenden, aber auch von meiner Person. Es ist weniger spannend Gesprächspartner/-innen und Dozierende nur im Bild wahrzunehmen. Inzwischen werden Probleme technischer Art bewusster registriert und kritischer hinterfragt. Auch das persönliche Miteinander wird schmerzlich vermisst, da der Austausch doch nicht der realen Face to Face Kommunikation in den Pausen oder Gruppenarbeiten entspricht.

Deswegen möchte ich zum Schluss eine Lanze für die Präsenzlehre brechen. Ich kann mir nicht vorstellen, Seminare ausschließlich online abzuhalten, dafür geht zu viel unmittelbare Erfahrbarkeit des gemeinsamen Lernens verloren.

Dennoch erhoffe ich mir, dass mit der jetzigen Krise, die virtuelle Vermittlung von Lehrstoff bestehen bleibt. Es ist als Ergänzung oder zusätzliches Angebot eine willkommene Abwechslung.

Kurzvita Sigrid Zegelman

Sigrid Zegelman, Diplom Pädagogin, geprüfter Coach, Fachkrankenschwester für den Operationsdienst. Selbstständiger Coach und Kommunikationstraining in Frankfurt/Main, Praxis SZ Coaching und Training. Innerbetriebliche und überregionale Dozententätigkeit im Bereich Kommunikation und Zeitmanagement an Kliniken. Seit 2012 Tutorin und Dozententätigkeit an der APOLLON Hochschule im Bereich Kommunikation und Dozententätigkeit an der Hochschule im Bereich Kommunikation.