30/11/2020

DER NIKOLAUS-ADVENTS-IMPULS

Dass Schenken und Gesundheit eng zusammenhängen, zeigen uns einige hochspannende Befunde aus der Forschung. Prof. Dr. Marcus Eckert, Professor für Psychologie an der APOLLON Hochschule, möchte hier einige Studien und Befunde skizzieren, die für das Miteinander hoch spannend sind. Im Anschluss bekommen Sie einen praxistauglichen Handlungsimpuls, mit denen Sie in Ihrem Alltag experimentieren können.

Nikolaus war ein Bischof in der Türkei, der am 6. Dezember 362 gestorben ist. Er fiel durch seine besondere Großherzigkeit auf. So gilt es als historisch gesicherter Fakt, dass er den Großteil seines privat geerbten Vermögens unter Bedürftigen aufteilte. Deswegen feiern wir heute noch seinen Todestag ihm zum Gedenken.

 

Oxytocin wirkt sich günstig auf die Verarbeitung von Ärger aus

2015 veröffentlichte die Heidelberger Forscherin Katja Bertsch und ihr Team eine spannende Studie. Versuchspersonen waren Menschen, die unter einer Borderline-Störung litten. Diese Störung geht unter anderem mit einer verstärkten Wahrnehmung von Ärger einher: Borderline-Patienten schauen im Vergleich zu nicht erkrankten Personen deutlich mehr auf ärgerliche Gesichter in ihrer Umgebung und lassen sich auch eher von dieser selektiven Wahrnehmung emotional beeinflussen. Damit gehen die Sorge einher, negativ bewertet zu werden, und eine Tendenz zur feindselig-aggressiven Abwehr potentieller "Kritiker".

In der Studie bekam ein Teil der Versuchspersonen Oxytocin als Nasenspray, der andere Teil bekam ein Nasenspray ohne Wirkstoff (Kontrollgruppe). Es zeigt sich sehr deutlich, dass Oxytocin dazu führte, dass die Patienten weniger auf die ärgerlichen Gesichter achteten und dass auch die emotionale Verarbeitung von Ärger im Gehirn deutlich günstiger verlief. Das zeigte sich im Erleben und Verhalten durch weniger Sorgen und geringere Tendenzen zur aggressiv-feindseligen Abwehr.

Oxytocin reduziert also Feindseligkeit und Aggression und es stärkt das grundsätzliche Vertrauen. Und das nicht nur bei Personen mit einer Borderline-Diagnose. Und das Gute daran ist: Oxytocin muss man nicht als Nasenspray nehmen, unser Körper kann dieses Hormon herstellen. Was wir dafür im Alltag tun können, zeige ich bei den „Praktischen Tipps“ weiter unten.

Oxytocin fördert prosoziales Verhalten (z. B. Hilfsbereitschaft)

Ein Forscherteam aus Sydney (Thompson et al., 2007) konnten an Ratten zeigen, dass sich die Bereitschaft, Artgenossen zu helfen und sie zu unterstützen, von der Oxytocinkonzentration in bestimmten Hirnarealen abhing. Wurde chemisch die Wirkung von Oxytocin im Gehirn der Ratten unterbunden, nahm das prosoziale Verhalten der Ratten stark ab.

Nun stellte sich die Frage: Ist das bei uns Menschen auch so? Es mag nicht erstaunen, dass das so ist. Interessant aber ist ein Experiment, in dem das gezeigt wurde: Es ging um das Investieren von Geld! Und bei Geld - so sagt man - hört ja bekanntlich die Freundschaft auf. Das konnten allerdings Koesfeld und Kollegen (2005) widerlegen. In einem Planspiel wählten Versuchspersonen, die zuvor Oxytocin als Nasenspray erhalten hatten, eine kooperativere und vertrauensvollere Strategie, als Versuchspersonen, die ein Nasenspray ohne Wirkstoff bekamen.

Es gibt noch weitere nützliche Wirkungen von Oxytocin: Die Ausschüttung von Oxytocin mildert die negativen Folgen von stressbezogenen Belastungen ab. Das konnte inzwischen in vielen Studien gezeigt werden.

Allerdings ist das oxytocinhaltige Nasenspray gesundheitlich nicht ganz unproblematisch. Deswegen zeige ich Ihnen gerne Möglichkeiten, wie Sie Ihre Oxytocinproduktion ganz ohne Medikamente ankurbeln können.

Praktische Tipps zur Förderung der körpereigenen Oxytocinproduktion  

Ein gutes Wort oder ein Lächeln schenken

Oxytocin wird auch dann ausgeschüttet, wenn wir etwas verschenken - und auch dann, wenn wir etwas geschenkt bekommen. Das kann zu Nikolaus z. B. ein Schoko-Nikolaus sein.

Für den sonstigen Alltag ist ein ehrlich gemeintes gutes Wort oder ein freundlich gemeintes Lächeln kostenlos zu bekommen. Es tut allen gut und ist eigentlich ganz einfach. Nehmen Sie sich diese Woche einmal vor mehr freundliche Worte oder mehr Lächeln zu verschenken - auch an die, die es brauchen könnten und es vielleicht nicht so häufig bekommen. Und sein Sie einmal neugierig, wie sich das auf Ihr Wohlbefinden und auf die allgemeine Interaktionsqualität auswirken wird.

Wenn Sie ganz mutig sind, wagen Sie sich einmal an einen "Unsympathen" heran, der für Sie nur "moderat" unsympathisch ist (bei dem die Hürde also nicht extrem hoch ist). Was verändert sich, wenn Sie nur eine Woche lang sich bemühen, jeden Tag einmal etwas ehrlich gemeint Nettes über diese Person zu denken?

Zurück zum Nikolaus

Hätte der Bischof Nikolaus von der Oxytocinforschung gewusst, hätte er vermutlich begriffen, das sein selbstloses Handeln für ihn gesundheitsförderlich gewesen ist. So war es vermutlich einfach nur selbstlos. ;-)