Wer sich für ein berufspädagogisches Studium entscheidet, möchte in der Regel Wissen nicht nur anwenden, sondern auch weitergeben. Der Bachelorstudiengang Berufspädagogik (B. A.) an der APOLLON Hochschule der Gesundheitswirtschaft bietet Studierenden hierfür ein praxisnahes Studienmodell: ganz ohne Praktika, dafür mit zwei fundierten Praxisphasen. Besonders die zweite Phase mit einer abschließenden Lehrprobe bietet die Möglichkeit, pädagogische Fähigkeiten konkret unter Beweis zu stellen – inhaltlich, methodisch und persönlich.
Praxisphasen statt Praktikum
Sowohl der Begriff Praktikum als auch der Begriff Praxisphase beziehen sich auf praktische Erfahrungen, die im Rahmen einer Aus- oder Weiterbildung erworben werden. Ein Praktikum bezeichnet dabei allgemein eine zeitlich befristete praktische Tätigkeit in einem Unternehmen, deren Ziel es ist, praktische Erfahrungen in einem bestimmten Berufsfeld zu sammeln und theoretisches Wissen anzuwenden.
Praxisphasen hingegen sind in der Regel fest in einen akademischen Studiengang integriert. Sie ermöglichen es Studierenden, die im Studium erworbenen Kenntnisse praktisch umzusetzen und relevante berufliche Erfahrungen zu sammeln, die für den Studienabschluss notwendig sind. Im Vergleich zum Praktikum sind Praxisphasen häufig stärker strukturiert und enger mit dem Studienverlauf verzahnt. Im Bachelor-Studiengang Berufspädagogik (B. A.) werden keine klassischen Praktika absolviert, dafür sind zwei Praxisphasen im pädagogischen Umfeld vorgesehen.
Bereits die erste Praxisphase beinhaltet ein Vorbereitungsseminar sowie eine Hospitation von 60 Stunden, die in einer pädagogischen Einrichtung absolviert wird. Im Rahmen der Vorbereitung lernen die Studierenden, Unterricht kompetenzorientiert zu planen. Sie erstellen einen Projektplan, in dem sie einen unterrichtsnahen Ablauf konzipieren und praktisch erproben.
Die zweite Praxisphase ist noch intensiver angelegt: Innerhalb von 480 Stunden sammeln die Studierenden eigene Lehrerfahrung. Zwei begleitende Gruppencoachings bereiten dabei zuvor gezielt auf die jeweils anstehende Lehrprobe vor – eine 90-minütige Unterrichtseinheit, die im Anschluss mündlich und schriftlich reflektiert wird.
Lehrprobe als Prüfungsform: Wie läuft sie ab?
„Die Prüfungsleistung ‚Lehrprobe‘ besteht aus drei Teilen: einem schriftlichen Unterrichtsentwurf mit didaktischer Analyse, der Durchführung von zwei Unterrichtseinheiten und einer schriftlichen Reflexion“, erklärt Prof. Schepers. Studiengangsleiterin des Bachelors Berufspädagogik.
Ein Unterrichtskonzept beinhaltet zum Beispiel einen Unterrichtsverlaufsplan. Dieser besteht aus verschiedenen Unterrichtsphasen wie etwa Einstieg, Erarbeitung und Abschluss, unterschiedlichen Methoden, beispielsweise einem Fachvortrag und Lehrvideos, sowie Sozialformen wie Gruppenarbeiten, Einzelarbeit oder Unterrichtsgespräch. „Wichtig ist, den Verlaufsplan dem Unterrichtsthema angemessen zu erstellen und die Methoden, Phasen und Sozialformen sinnvoll in Einklang zu bringen“, betont Prof. Schepers.
Während der Lehrprobe findet der Unterricht vor Ort in einer Schule oder Weiterbildungseinrichtung statt und die Prüfer:innen sind online zugeschaltet. Im Fokus steht, ob die Studierenden in der Lage sind, eine Unterrichtseinheit didaktisch sinnvoll zu strukturieren, passende Methoden zu wählen, Lernziele zu formulieren – und ob sie auch im direkten Kontakt mit Lernenden bestehen können. „Wir achten beispielsweise darauf, wie klar Arbeitsaufträge formuliert sind, wie flexibel auf Nachfragen reagiert wird oder ob der Zeitplan realistisch ist“, so Prof. Schepers. Auch die Unterrichtsatmosphäre, die kommunikative Präsenz und der Umgang mit ungeplanten Situationen fließen in die Bewertung mit ein. Direkt nach der Lehrprobe wird ein Reflexionsgespräch geführt. Anschließend verfassen die Prüflinge innerhalb von zwei Wochen ihre Reflexion und reichen sie bei der Hochschule ein.
„Die Lehrprobe bietet unseren Studierenden die Chance, Unterricht komplett und didaktisch fundiert zu planen, auszuarbeiten und zu reflektieren. Vor allem die didaktische Analyse ist dabei wichtig. Sie ist sozusagen das Handwerkszeug für die Unterrichtsplanung“, erläutert sie. „Außerdem nehme ich wahr, dass die Reflexion ein wichtiger Baustein ist. Im Reflexionsgespräch direkt nach der Lehrprobe und auch in der anschließenden Verschriftlichung kommen oft noch viele wertvolle Impulse zum Vorschein. Ich kommuniziere den Studierenden immer, dass man als Lehrkraft eigentlich nie ,fertig` ist, sondern sich stetig weiterentwickelt und daher immer offen für Feedback und Reflexion sein sollte“, so Prof. Dr. Schepers.
Flexibilität im Fernstudium – auch bei den Praxisphasen
Viele Studierende bringen bereits Lehrerfahrung mit, etwa aus Pflegefachschulen, sozialpädagogischen Einrichtungen oder aus der Erwachsenenbildung. Diese berufliche Praxis in einem pädagogischen Kontext kann anerkannt werden. „Wir sind hier sehr flexibel und unterstützen auch individuelle Lösungen, wenn es notwendig ist“, betont Prof. Schepers.
Und auch organisatorisch ist der Ablauf gut planbar: Der Anmeldeprozess läuft über den APOLLON Studienservice. „Für die Beantragung der Praxishasen gibt es jeweils ein Formular, auf dem die Praxisstelle genannt und per Unterschrift bestätigt wird“, sagt Isabell Baden, Leiterin des APOLLON Studienservice. „Für die Lehrprobe wird dann zunächst über den Studienservice der Termin koordiniert. Wenn der Termin mit der Institution und allen Prüfer:innen – zwei von der APOLLON Hochschule und eine:r aus der Institution – abgestimmt ist, startet die achtwöchige Bearbeitungszeit für die schriftliche Ausarbeitung. Nach der absolvierten Lehrprobe haben die Studierenden dann noch zwei Wochen Zeit, um die Reflexion zu verschriftlichen.“ Die mündliche Lehrprobe wird mit „bestanden“ oder „nicht bestanden“ bewertet, die schriftlichen Teile werden benotet.
Ein Erfahrungsfeld für die berufspädagogische Zukunft
Der langfristige Nutzen der Lehrprobe liegt für Prof. Schepers auf der Hand: „So viel Zeit für die systematische Planung und Reflexion bleibt im Alltag selten. Gerade die didaktische Analyse ist ein zentrales Werkzeug, das unsere Studierenden hier intensiv einüben. Sie lernen: guter Unterricht ist kein Zufall, sondern das Ergebnis durchdachter Planung.“ Die Lehrprobe ist somit nicht nur eine formale Prüfungsleistung, sondern eine Gelegenheit, sich als pädagogische Fachkraft zu professionalisieren und das Gelernte nachhaltig im eigenen Arbeitsalltag zu verankern.