Der englische Begriff „Comfort Food“ oder „Comfort Eating“, der frei mit Wohlfühlessen übersetzt werden kann, wird häufig für Ernährungsentscheidungen verwendet, die aus emotionalen Gründen getroffen werden. Ergänzend zu der gesundheitlichen Perspektive, die Lebensmittelempfehlungen meist nach ihrem Gesundheitswert kategorisiert, weist „Comfort Eating“ also auf ein Kriterium hin, das in der professionellen Perspektive ebenfalls Beachtung finden muss: Die individuelle Wahl von Nahrungsmitteln wird häufig durch emotionale Vorgänge beeinflusst. Ronny Heldt-Döpel, Ernährungswissenschaftler und Studiengangskoordinator des Bachelor Ernährungswissenschaften (B. Sc.), beleuchtet das Comfort Eating näher.
Beobachtet werden können in diesem Zusammenhang verschiedene Phänomene. Zum einen tendieren Personen unterschiedlich stark dazu ihr Essverhalten emotionsbedingt zu verändern, so dass emotionales Essverhalten von Person zu Person unterschiedlich stark ausgeprägt sein kann. Zum anderen können auch verschiedene emotionale Zustände zu unterschiedlichen Reaktionen führen. Berichtet wurde aus der Forschung bereits, dass bei Traurigkeit die Tendenz zum emotionalen Essen am größten ist und in diesem Fall eher energiereiche Snacks herangezogen werden, um die Stimmung zu verbessern. Dies betrifft vor allem die Gruppe der sogenannten „emotional eater“, also Personen die stärker dazu neigen ihr Essverhalten emotionsbedingt zu verändern. Bei Angst oder Ärger hingegen kann es dazu kommen, dass sogar weniger gegessen wird oder Mahlzeiten überhaupt nicht wahrgenommen werden. Ebenfalls beschriebene, sogenannte „Externale Esser“ lassen sich darüber hinaus leichter von Geruch und Aussehen von Lebensmitteln zum Essen verleiten und auch psychologische Kompetenzen, wie Selbstregulation und Impulskontrolle spielen eine Rolle.
Erhöht wird die Komplexität der Thematik zusätzlich durch biologische Vorgänge. Ein prominentes Beispiel hierfür ist die in vielen Lebensmitteln natürlich vorkommende Aminosäure Tryptophan, die die Serotoninproduktion unterstützt. Serotonin, das umgangssprachlich auch als Glückshormon bezeichnet wird, hat wiederum positive Effekte auf die Schlafqualität und die generelle Stimmung. Folsäure, Omega-3 Fettsäuren und Vitamin E sind weitere Lebensmittelinhaltsstoffe, die im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung schützend auf das Nervensystem wirken und auf diese Art die Stimmung stabilisieren können.
Interessant ist, dass unter Studienbedingungen bereits gezeigt werden konnte, dass sowohl gesunde Lebensmittel, wie Früchte und Gemüse, aber auch eher ungesunde, energiereiche Snacks und Süßigkeiten die Stimmung kurzfristig positiv beeinflussen können. Auffällig war im Rahmen der Beobachtungsstudie jedoch die zeitliche Komponente: Ungesundes Essen scheint im Anschluss an die Nahrungsaufnahme nicht zu einer nachträglichen Besserung emotionaler Reaktionen zu führen, wohingegen sich die Wahl gesunder Lebensmittel auch im Anschluss an die Nahrungsaufnahme positiv auswirkte. Möglicherweise sind süße und energiereiche Lebensmittel demzufolge vor allem während des Essens wirksam und die gesunden Lebensmittel auch nach Beendigung der Mahlzeit.
Weitere Erkenntnisse in diesem spannenden Themenfeld bleiben abzuwarten. Die langfristige, positive Beeinflussung der Gesundheit durch eine ausbalancierte Lebensmittelauswahl trägt jedoch ohnehin zu einer guten, gesundheitsbezogenen Lebensqualität bei. Generelle Empfehlungen zu einer gesunden Ernährung (wie beispielsweise die „10 Regeln der DGE“) sind daher auch im Zusammenhang mit der positiven Emotionsbeeinflussung durch Lebensmittel – insbesondere langfristig – eine wertvolle Unterstützung.
Literatur:
Franja, S. et al. (2021). Comfort eating: An observational study of affect in the hours immediately before, and after, snacking. Br J Health Psychol 2021 Jan 4 (ahead of print).
Macht, M. (2005). Essen und Emotion. Ernährungs-Umschau 52 (2005) Heft 8, S. 304–308.
Schnepper, R. et al. (2017). Wie Emotionen Appetit und Essverhalten bestimmen. Nutrition-News (04)2017, S. 01-04.