08/02/2023

Interview zum Master Public Health

mit Schwerpunkt Umwelt und Gesundheit

Interview mit Prof. Dr. Viviane Scherenberg, Studiengangsleiterin Master Public Health mit Schwerpunkt Umwelt & Gesundheit (M. Sc.) an der APOLLON Hochschule

Seit 01. Februar 2023 bietet die APOLLON Hochschule der Gesundheitswirtschaft mit dem Master Public Health mit Schwerpunkt Umwelt & Gesundheit (M. Sc.) einen deutschlandweit einzigartigen, berufsbegleitenden Studiengang für Fach- und Führungskräfte an. Vermittelt wird anwendungsbezogenes Public-Health-Know-how mit Spezialwissen zu Prävention und Gesundheitsförderung in Bezug auf die Umweltgesundheit. Prof. Dr. Viviane Scherenberg spricht im Interview unter anderem über die Inhalte des von ihr geleiteten Studiengangs sowie darüber, wie und für wen er konzipiert wurde.

 

Frau Prof. Dr. Scherenberg, was versteht man eigentlich unter Public Health und welche Teilbereiche gibt es?

Prof. Dr. Viviane Scherenberg: Public Health ist eine Multidisziplin, die das Wissen, die Erkenntnisse und die Methoden unterschiedlicher Einzeldisziplinen zum Beispiel Psychologie, Medizin, Epidemiologie, Ökonomie und Ethik, nutzt. Wichtige Teilbereiche sind etwa Gesundheitsförderung und Prävention, Public-Health-Ethik, Epidemiologie, Umwelt und Gesundheit, Versorgungsmanagement und -forschung, Gesundheitspolitik, ePublic-Health, Gesundheitskommunikation sowie Gesundheitspsychologie.

 

Welche Inhalte werden im Studiengang Master Public Health Umwelt & Gesundheit vermittelt?

Die Inhalte des Studiengangs richten sich nach dem europäischen Fachqualifikationsrahmen der World Health Organization (WHO) und der Association of Schools of Public Health in the European Region (ASPHER). Damit sind rund zwei Drittel der Studienganginhalte vorgegeben, rund ein Drittel fokussiert sich auf umweltbezogene Inhalte. Dieser Bereich orientiert sich ebenfalls an den Empfehlungen der ASPHER. Es geht dabei um umweltbezogene Einflussfaktoren wie zum Beispiel Luftverschmutzung und Mikroplastik, aber auch um Auswirkungen auf die Gesundheit, etwa die Ausbreitung von Asthma oder Infektionskrankheiten. Hintergründe zum Klimawandel und die Auswirkungen auf die Gesundheit, Klimaanpassungsmaßnahmen für unterschiedliche soziale Settings, Nachhaltigkeit und nachhaltige Entwicklung im Sozial- und Gesundheitswesen sowie Risikomanagement gehören ebenfalls zu den Inhalten im Studium.

 

Für wen wurde der Studiengang konzipiert?

Der Studiengang wurde für alle konzipiert, die sich für das Thema Umwelt und Gesundheit besonders interessieren. Für diejenigen, die einen Beitrag leisten möchten, um die Gesundheit von Menschen in unterschiedlichsten Settings positiv zu beeinflussen – und dies insbesondere unter der Berücksichtigung umweltbezogener Risikofaktoren. Das können beispielsweise Studierende sein, die bereits einen Bachelor-Studiengang in Public Health absolviert haben. Bachelor-Absolvent:innen, die aus anderen gesundheitsnahen, interdisziplinären Bereichen wie Psychologie, Soziale Arbeit oder Umweltwissenschaften kommen, können mit Hilfe eines Propädeutikums diesen spannenden Studiengang studieren.

 

Was hat die APOLLON Hochschule dazu bewogen, diesen Studiengang zu entwickeln?

Ich beschäftige mich schon länger mit dem Thema, da ich mich bereits in meiner Promotion mit dem Aspekt Nachhaltigkeit auseinandergesetzt habe. Der gesamte Bereich gewinnt zudem immer mehr an Bedeutung: Die Umweltauswirkungen des menschlichen Handels auf die planetare Gesundheit sind mit der menschlichen Gesundheit untrennbar verknüpft – das ist für uns alle immer deutlicher zu spüren.

 

Wie wird ein solcher, neuartiger Studiengang eigentlich entwickelt? Wer ist daran beteiligt?

Das ist ein langer Prozess, in den sowohl Studierende, interdisziplinäre interne wie externe Expert:innen und Vertreter:innen unseres Kuratoriums involviert sind. Sie alle beurteilen etwa die Berufsfähigkeit, die Studierbarkeit des Studiengangs und die Relevanz der enthaltenden Inhalte. Zudem wurde der Studiengang von der Akkreditierungsagentur FIBAA und dem Akkreditierungsrat – einer Institution, die den gesetzlichen Auftrag hat, die Qualität in Studium und Lehre in Deutschland zu sichern – abschließend auf Herz und Nieren geprüft und ohne Auflagen akkreditiert.

 

Was unterscheidet diesen Studiengang von anderen, ähnlichen Studiengängen wie dem Master Public Health Prävention & Psychische Gesundheit, bzw. was ist das Besondere am Schwerpunkt Umwelt & Gesundheit?

Der Studiengang ist als Fernstudiengang in dieser Form einzigartig und deckt angesichts der vielfältigen Umweltveränderungen einen steigenden Bedarf ab. Wir erleben derzeit, dass der Klimawandel einerseits extreme Wetterereignisse wie Stürme, Gewitter, Dürren etc. mit akuten Gefahrenpotentialen für Mensch und Umwelt mit sich bringt. Andererseits äußern sich die klimabezogenen Gesundheitsgefahren in einem verstärkten Aufkommen hitzebezogener Erkrankungen wie Hitzekrämpfen, Hitzeerschöpfung, Hitzschlag etc., aber auch durch Infektionserkrankungen wie Dengue Fieber, Malaria, Borreliose oder Durchfallerkrankungen. Solche umweltbezogenen Gesundheitsrisiken können zum Beispiel am Arbeitsplatz, im Wohnumfeld, in der Luft, im Trinkwasser, in Lebensmitteln, in der Kleidung oder durch UV-Strahlung schädlich auf uns einwirken. Es sind daher Gesundheitswissenschaftler:innen gefragt, die sich mit diesen Risiken wissenschaftlich beschäftigen und evidenzbasierte – also wissenschaftlich fundierte – Maßnahmen zum Schutz spezifischer Bevölkerungsgruppen planen, entwickeln und evaluieren können.

 

Welche Schlüsselqualifikationen werden im Studiengang vermittelt?

Neben den genannten Fachkompetenzen werden wichtige methodische Schlüsselqualifikationen für Gesundheitswissenschaftler:innen beispielsweise im Modul „Spezifische Methodenkompetenzen der Gesundheitsforschung III: Medical Writing in Health and Medicine“ vermittelt. Hier lernen die Studierenden nicht nur, wissenschaftliche Publikationen nach den gängigen Standards und Qualitätskriterien kritisch zu bewerten, sondern auch selbst zu erstellen. Eine weitere Schlüsselqualifikation, die aktiv gefördert wird, stellt das interdisziplinäre Denken und Handeln dar. Es ist eine wichtige Voraussetzung, um mit anderen Professionen effektiv zusammenarbeiten zu können.

 

Welche Einsatzfelder eröffnen sich den Absolvent:innen mit diesem Abschluss und den im Studium erworbenen Kompetenzen?

Gesundheitswissenschaftler:innen können grundsätzlich in vielfältigen Bereichen arbeiten, sei es im öffentlichen Gesundheitsdienst, in Forschungseinrichtungen, bei Sozialversicherungsträgern, Wohlfahrts- und Sozialverbänden oder in gesundheitlichen Settings. Spezifisches Wissen über umweltbezogene Einflussfaktoren ist zum Beispiel in der kommunalen Gesundheitsförderung, der Stadtentwicklung, bei Krankenkassen oder in Betrieben – zum Beispiel als Corporate Social Responsibility Manager:in mit Schwerpunkt Gesundheit – oder auch in umweltbezogenen öffentlichen oder privaten Institutionen wie etwa dem Umweltbundesamt oder dem Bundesamt für Risikobewertung gefragt.

 

Wie gestaltet sich die Wahl der Schwerpunktfächer? Könnten Sie die einzelnen Schwerpunktfächer bitte kurz erläutern?

Es gibt fünf Wahlpflichtfächer von denen zwei gewählt werden können. Im Modul „Gender und Gesundheit“ beschäftigt man sich intensiv mit gesundheitlichen Unterschieden zwischen den Geschlechtern und bei der Inanspruchnahme von Präventionsinterventionen, um Angebote geschlechtersensibler gestalten zu können. Das Modul „Health und Smart Cities“ dreht sich um gesundheitsorientierte Stadt- und Verkehrsplanung, also zum Beispiel um die Auswirkungen der Stadtnatur auf die Gesundheit und wie diese durch Einsatz moderner Technologie klimaschonender sowie lebenswerter gestaltet werden kann. Da klima- und umweltbezogene Risiken wie Überschwemmungen und Stürme angesichts des Klimawandels immer mehr an Bedeutung gewinnen, geht es im Modul „Disaster Risk Reduction for Health“ um die Einschätzung gesundheitsbezogener Gefahren zur Risikominimierung sowie um Maßnahmen zum Gesundheitsschutz unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen – also etwa um die Erstellung von Notfallplänen. Das Modul „Nachhaltige Ernährung“ ist sehr vielfältig und beleuchtet sowohl die umweltbezogenen Auswirkungen der Ernährung sowie Schadstoffe in Lebensmitteln als auch die globale Ernährungssicherheit. Im Modul „ePublic Health“ lernen die Studierenden, wie die vielfältigen digitalen Möglichkeiten wie Gesundheits-Apps oder Virtual Reality die Gesundheit positiv beeinflussen können, kritisch reflektiert werden aber auch mögliche Gefahren wie zum Beispiel die Online-Sucht.

 

Inwiefern ist der Studiengang interdisziplinär und anwendungsorientiert?

Die hohe Interdisziplinarität ergibt sich zum einen allein aus den abwechslungsreichen, spannenden Studieninhalten. Die Studierenden sollen befähigt werden, vernetzt zu denken und zu handeln. Zum anderen gibt es studienübergreifende Projekte, in denen die Studierenden in einem interdisziplinären Team gemeinsam mit anderen Master-Studierenden, etwa der Studiengänge Gesundheitsökonomie und Angewandte Gerontologie, lernen, fächerübergreifend zukunftsweisende Ansätze im Gesundheitswesen zu erarbeiten – so wie es ja letztlich in der Realität der Fall ist oder zumindest sein sollte. Die hohe Anwendungsorientierung zieht sich durch das gesamte Studium. Die Lehrinhalte verbinden bewusst Theorie und Praxis miteinander. Auch in Prüfungen wird diese Transferleistung gefordert, damit die Studierenden ihr erlerntes Wissen sofort kreativ und evidenzbasiert anwenden können.