Monday, 20.11.2017

VOM STELLENANGEBOT ZUM TRAUMJOB – ERFOLGREICH BEWERBEN

Da steht sie, Schwarz auf Weiß: Die detaillierte Beschreibung des absoluten Traumjobs. Nun heißt es Handeln! Um eine weitere Stufe auf der Karriereleiter zu erklimmen, muss eine erstklassige Bewerbung her. Doch was ist das eigentlich? Wie überzeuge ich mit meinen Bewerbungsunterlagen? Wie unterscheide ich mich von Mitbewerbern? Was erwartet mich im Bewerbungsgespräch? Wie kann ich mich darauf vorbereiten?

Diese und viele weitere Fragen beschäftigen viele Studierende und Absolventen – denn mit dem akademischen Abschluss in Aussicht oder bereits in der Tasche möchten sie sich neuen Herausforderungen stellen und sich beruflich weiterentwickeln. Wir haben uns darüber mit Prof. Dr. Lena Kluge unterhalten. An der APOLLON Hochschule der Gesundheitswirtschaft verantwortet sie studiengangsübergreifend das Thema Kommunikation im Fachbereich Gesundheitswirtschaft und wirkt in der Lehre ebenso mit wie in der Weiterentwicklung des Bereiches. Nach ihrem Studium der Psychologie promovierte sie im Bereich Motivationspsychologie und arbeitete zunächst als Dozentin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Hamburg. Nach der wissenschaftlichen Laufbahn zog es Prof. Dr. Lena Kluge in die Wirtschaft. Dort sammelte sie Erfahrungen als Führungskraft im Bereich Personalmanagement und Vertrieb einer renommierten Versicherungsgesellschaft. Seit 2015 arbeitet sie – neben ihrer Professur an der APOLLON Hochschule – als Universitätslektorin an der Universität Bremen und ist selbstständige Beraterin.

Gibt es die „typische Bewerbungsphase“ von Seiten der einstellenden Unternehmen?

Nein! Der Ablauf des Bewerbungsprozederes hängt zum Beispiel stark davon ab, ob es sich um eine intern oder extern ausgeschriebene Stelle handelt und natürlich davon, wie ein Unternehmen grundsätzlich aufgestellt ist – ob es etwa einen Betriebsrat gibt oder nicht. Die Bewerbungsunterlagen werden je nach bestehender Unternehmenshierarchie durchgesehen, man nennt das auch Bewerbungs-Screening. In großen Firmen gibt es dafür eine Personalabteilung, in kleinen oder mittelständischen Betrieben sind Bewerbungen oft Chefsache. Manchmal gibt es sogenannte Online-Assessment-Center, die zum einen dem Bewerber dabei helfen, das Unternehmen besser kennenzulernen und zum anderen dem potenziellen Arbeitgeber das Verhalten des Bewerbers in typischen Arbeitssituationen vor Augen führen. In der Regel erfolgt der erste Kontakt nach erfolgreicher Einsendung der Bewerbungsunterlagen telefonisch. Danach wird der Bewerber zum persönlichen Gespräch eingeladen, oft folgt dann (noch) ein Assessment-Center.

Welchen Einfluss hat ein berufsbegleitendes Studium in Bezug auf die Bewerbungsphase bei Studierenden einer Fernhochschule?

Bewerber, die berufsbegleitend ein Fernstudium oder eine Weiterbildung absolvieren, haben einen unschätzbaren Vorteil: Sie studieren, sie verfügen bereits über Berufserfahrung – was bei Bewerbungen grundsätzlich gern gesehen und ein großer Pluspunkt ist – und sie beweisen durch ihr persönliches Engagement im Rahmen der freiwilligen Qualifizierung ein Höchstmaß an Motivation und guter Organisation. Das schätzen Arbeitgeber sehr. Zudem kann das im Studium erworbene Wissen oft sofort im beruflichen Kontext umgesetzt werden, es gibt bereits während des Studiums einen ständigen Anwendungsbezug und damit eine stetige Umsetzung von der Theorie in die Praxis. Viele Studierende der APOLLON Hochschule zeichnen sich darüber hinaus durch ihre Zielstrebigkeit aus. Sie sind sich schon vor Beginn des Studiums darüber im Klaren, was sie durch die Zusatzqualifikation erreichen möchten – sei es ein kompletter beruflicher Neuanfang oder beispielsweise eine gehobene Position, beziehungsweise ein Aufstieg im eigenen Unternehmen. Gerade im Gesundheitswesen, besonders im Pflegebereich, werden auf der einen Seite immer wieder interessante, leitende Positionen angeboten, so dass viele APOLLON Studierende schon vor dem Abschluss eine neue Stelle in Aussicht haben. Auf der anderen Seite gibt es gerade bei berufsbegleitend Studierenden oft eine gewisse Unsicherheit, was Bewerbungen generell angeht – und das ganz einfach deswegen, weil viele von ihnen sich glücklicherweise noch nicht allzu häufig bewerben mussten. Oft sind sie von der Ausbildung direkt in eine mehrjährige Festanstellung übernommen worden und dementsprechend ungeübt, was Bewerbungen angeht.

Die Bewerbungsunterlagen in Kürze: Worauf sollte geachtet werden?

Die Bewerbungsunterlagen sollten vor allem vollständig und absolut korrekt formuliert sein. Ein Anschreiben, ein Deckblatt, der Lebenslauf, wichtige Referenzen und Zeugnisse gehören unbedingt in die Bewerbungsmappe. Das Thema Rechtschreibung wird leider oft unterschätzt, ist aber sehr, sehr wichtig. Ich rate dringend dazu, hier besonders penibel zu sein und die gesamten Unterlagen vor dem Versand noch einmal Korrektur lesen zu lassen – letztlich zeigt das dem potenziellen Arbeitgeber auch, wie viel Mühe in die Bewerbungsmappe investiert wurde. Gerade bei Initiativbewerbungen sollte im Vorfeld der passende Ansprechpartner herausgefunden und dann auch mit korrektem Namen angeschrieben werden. Eine Bewerbung mit einem Foto zu versehen, ist seit Inkrafttreten des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes nicht mehr notwendig – aber aus meiner Erfahrung heraus bewerben sich viele Bewerber weiterhin mit einem Bewerbungsfoto. Das Foto sollte dann selbstverständlich ein vorteilhaftes, möglichst professionell gemachtes sein.

Das Bewerbungsgespräch: Was ist wichtig? Haben Sie Tipps für die gelungene Selbstvermarktung?

Zunächst einmal sollte man pünktlich sein! Natürlich kommt es vor, dass „höhere Gewalt“, wie etwa eine Autopanne oder ein verspäteter Zug, ein rechtzeitiges Eintreffen verhindern – deshalb: Im Vorfeld unbedingt einen Ansprechpartner samt Telefonnummer notieren, um sich im Notfall melden zu können. Auch beim immer wieder spannenden Thema „Was ziehe ich an?“ gilt es, sich im Vorfeld über die Gepflogenheiten in der Firma schlau zu machen. Wie ich mich optisch präsentiere, ist ein wesentlicher Teil der sogenannten nonverbalen Kommunikation – denn der erste Eindruck zählt. Generell gilt: Sie sollten sich in Ihrer Kleidung möglichst wohlfühlen, die Situation ist schließlich schon aufregend genug. Trotzdem empfehle ich, im Zweifel lieber etwas zu schick als zu nachlässig gekleidet aufzutreten. Im Gespräch ist es dann durchaus ratsam, als Bewerber selbstbewusst aufzutreten – Fragen zu Arbeitszeiten, dem Arbeitsplatz und ähnlichen Details des Arbeitsalltags sind ausdrücklich erwünscht. Die Wahl hat schließlich nicht nur die einstellende Firma, sondern auch der Bewerber. Wenn über bestimmte Themen in der Bewerbungsphase nicht gesprochen wurde, stellt hinterher oft mindestens eine Partei fest, dass es vielleicht doch nicht so recht passt mit dem neuen Arbeitsverhältnis. Um Fragestellungen für das Bewerbungsgespräch entwickeln zu können, sollte sich der Bewerber im Vorfeld intensiv mit dem Unternehmen beschäftigen und sich so viele Informationen wie möglich beschaffen. Zusätzlich sollte man sich mindestens genauso gewissenhaft auf die Erwartungen und Fragen des eventuellen zukünftigen Arbeitgebers vorbereiten. Mitunter werden im Gespräch Rollenspiele eingebaut, um die Kompetenzen des Bewerbers abzuklopfen. Und auf die „Klassiker“ wie die Frage nach Stärken und Schwächen oder „Wo sehen Sie sich in 5 Jahren?“ sollten Sie ebenso schlüssige Antworten parat halten, wie etwaige Lücken im Lebenslauf nachvollziehbar erklären können. Übung macht hier den Meister! Was die Selbstvermarktung angeht: Das ist immer ein schmaler Grat. Selbstverständlich möchte sich jeder von seiner besten Seite präsentieren und sein Gegenüber von sich überzeugen. Aber: Sich im Vorstellungsgespräch zu verstellen und vielleicht Interesse für einen Job heucheln, der unter Umständen gar nicht zu einem passt, bringt nichts. Man sollte sich unbedingt klarmachen, was man wirklich will, diese Haltung verinnerlichen und dementsprechend authentisch auftreten.

Gibt es ultimative Bewerbungstipps?

Ein vielleicht etwas ungewöhnlicher Tipp ist der Perspektivwechsel im Vorfeld: Stellen Sie sich intensiv vor, Sie suchen den idealen Kandidaten für die offene Position. Worauf würden Sie achten? Was würden Sie wissen wollen? Versetzen Sie sich mental in die Rolle Ihres zukünftigen Arbeitgebers und entwickeln Sie entsprechende Fragestellungen an den Bewerber. Altbekannt, aber tatsächlich sehr hilfreich ist: Üben, üben, üben! Suchen Sie sich einen „Sparringspartner“ und probieren Sie sich aus! Egal, ob Rollenspiele oder Gehaltsverhandlungen: Wer das komplette Gespräch durchgespielt hat, gewinnt Sicherheit. Ich nenne das den „Kenn-ich-Kann-ich-Modus“, der beispielsweise auch aus der Sportpsychologie bekannt ist, wenn es darum geht, Wettkampf-Ängste zu überwinden.

An wen können sich APOLLON Studierende mit Fragen rund um Bewerbungen und Stellensuche wenden?

Momentan bauen wir an der APOLLON Hochschule den sogenannten Karriereservice weiter aus. Dort möchten wir in Zukunft alle Möglichkeiten rund um das Thema Bewerbungen und Stellensuche zentral bündeln und den Studierenden feste Ansprechpartner an die Seite stellen. Derzeit stellen wir einen Karriereleitfaden zur Verfügung und die Beratungsaufgabe übernimmt der kompetente Studienservice, an den sich die Studierenden jederzeit mit all ihren Fragen rund um das Studium wenden können – das beinhaltet natürlich auch das Thema Bewerbung – egal, ob es um Tipps zum Vorstellungsgespräch oder die Überprüfung des Lebenslaufes geht. Darüber hinaus gibt es unseren Online-Campus mitsamt des Stellenmarktes, der nur per Log-in erreichbar ist. Dort finden sich exklusiv für APOLLON Studierende attraktive Stellenangebote, die aus dem gesamten Netzwerk an die Hochschule herangetragen werden. Apropos Netzwerk: Es ist immer ratsam, sich im Studium und darüber hinaus zu vernetzen, zum Beispiel mit Hilfe der lokalen APOLLON Stammtische oder in unserem Alumni-Verein – „Vitamin B“ ist immer noch eine starke Möglichkeit für die erfolgreiche Suche auf dem Arbeitsmarkt.

  Autorin: Hayat Issa