08/06/2017

MOBILES LEBEN: LERNEN IM ZUG, ZUHAUSE ODER ZWISCHENDURCH – ABER WIE?

Lernen, wie es früher normal war, gibt es heute so nicht mehr: Lehrbuch, Unibibliothek, Frontalunterricht und Co. gehören zwar keinesfalls der Vergangenheit an, aber es gibt mittlerweile Lehrmaterialien, die andere Wege einschlagen. Insbesondere Fernhochschulen – die von Natur aus schon andere Lehrformen anbieten – geben Studierenden zahlreiche Hilfsmittel an die Hand, die zeit- und ortsunabhängiges Lernen ermöglichen. Die APOLLON Hochschule baut derzeit ihr E-Learning-Angebot aus und entwickelt unter anderem Audio- und Videomaterial zur Wissensvermittlung, stellt bereits seit einiger Zeit eine Online-Bibliothek mit über 2.000 Lehrbüchern und 10.000 Fachartikeln zur Verfügung, aktualisiert sowie digitalisiert Studienmaterialen und vieles mehr. Der Online-Campus als Lernplattform ist dabei Dreh- und Angelpunkt für die Studierenden. Hierüber stehen alle Lernmaterialien des eigenen Studiengangs sowie die Online-Bibliothek an zentraler Stelle und rund um die Uhr bereit. So können Studieninhalte von jedem Ort aus abgerufen werden und das Lesen und Lernen ist zum Beispiel während Wartezeiten oder auf Reisen möglich. Aber: Nicht jede Situation eignet sich zum Lernen und nicht jeder lernt am liebsten digital und papierlos. „Deshalb bieten wir bei aller Modernität und Digitalisierung nach wie vor die klassischen Studienhefte auf Papier an, die wir Studierenden per Post nach Hause schicken“, erklärt Katrin Holdmann, Leiterin des Studienservices der APOLLON Hochschule. Zwar ginge der Trend eindeutig in Richtung digitaler, audiovisueller und teilweise interaktiver Lernformen, aber je nach Lerntyp spielen auch Haptik und ähnliche Faktoren eine wichtige Rolle. „Wir wollen möglichst vielfältige Angebote für ein individuelles Studium anbieten“, so Holdmann. Gerade für diejenigen, die neben dem Beruf studieren – ein Großteil der Fernstudierenden – sei Individualität und Flexibilität sehr wichtig und ein starres Lernkonzept wenig optimal.

Nicht überall das ganz große Fass aufmachen

Bei aller Flexibilität und im Dschungel der Möglichkeiten mobilen Lernens darf aber nie das Ziel aus den Augen verloren werden – weder von Anbieter – noch von Nutzerseite aus: erfolgreiche Wissensvermittlung. Nicht jeder Unterrichtsstoff eignet sich für jedes Medium und nicht alles kann an jedem Ort gut gelernt werden. So spielt unter anderem die Umgebung eine wichtige Rolle beim Lernen. Die Ruhe einer klassischen Universitätsbibliothek – mag sie auch teilweise antiquiert wirken – hat ihren Sinn und Zweck. Komplexe Inhalte, die viel Konzentration verlangen, lassen sich nicht so einfach zwischendurch und beim Warten an der Bushaltestelle verarbeiten. So sollten Studierende genau prüfen, wann sie was lernen. Eben mal im Wartezimmer ein paar Minuten lang Vokabeln wiederholen, das funktioniert gut. Kleine, klar begrenzte Lernhäppchen, bei denen Lernende Umgebungsgeräusche und Ablenkungen gut ausblenden können, machen durchaus Sinn. Zur Überprüfung des Lernerfolgs bietet die APOLLON Hochschule seit Kurzem im Modul „Gesundheitsaufklärung, -beratung und -bildung“ Web Based Trainings (WBT) an. Mithilfe dieser digitalen Lernkontrolle können bestimmte Übungen online durchgeführt werden. Am Übungsende liefert das Programm direkt ein Ergebnis – vergleichbar beispielsweise mit modernen theoretischen Führerscheinprüfungen. Weitere WBTs sind in Planung. Schwieriger wird es bei komplexeren Lerninhalten. Hier braucht es schlichtweg mehr Zeit, um sich den Stoff anzueignen. Und in zeitlich sehr überschaubaren Situationen macht es wenig Sinn, das ganz große Fass aufzumachen. Also: Beim Lernen an der Busstation besser Einheiten wählen, die sich jederzeit abbrechen und später an gleicher Stelle wieder aufnehmen lassen.

Umgekehrt ist auch was wert …

Allerdings eignet sich auch nicht jeder Lerninhalt für jedes Medium. „Wir prüfen sehr genau, welchen Inhalt wir mit welchem E-Learning-Angebot vermitteln. Es muss zusammenpassen“, betont Katrin Holdmann. So mache es wenig Sinn, komplexe wirtschaftsmathematische Inhalte lediglich per Audiomaterial zu vermitteln. Hingegen passe es sehr gut, wenn die Studieneinheit „Visualisieren und Präsentieren“ als Video zusätzlich zum gedruckten Studienheft angeboten wird. „Da sehen unsere Studierenden direkt, was der oder die Lehrende vermitteln möchte und es ist viel praxisorientierter als das alleinige Nachlesen von Präsentationstechniken im Studienheft“, so Holdmann. Weitere ergänzende Lernvideos sind in Planung. Die vielfältigen Möglichkeiten, entsprechende Videos abzurufen, bieten Vorteile. So lassen sich die Filme sowohl auf dem PC oder Laptop als auch auf dem Tablet und Smartphone gut abrufen. Viele Studierende seien vor allem auch an Hörbüchern interessiert, da sie auditives Lernen bevorzugen und sich über das Hören schneller Zusammenhänge einprägen können. Andere schätzen die Haptik eines gedruckten Heftes, machen sich gern handschriftliche Notizen und Markierungen auf dem Papier. Wer lieber digital lernt und gerne auch mal unterwegs spontan auf die Studieninhalte zugreifen möchten, kann sich die Studienhefte zum Bespiel über den Online-Campus zusätzlich zum gedruckten Heft als pdf herunterladen. Viele Hefte sind bereits in anderen E-Book-Formaten verfügbar, damit sie problemlos an Tablets und E-Book-Readern unterwegs gelesen werden können.

24/7 braucht Zeitmanagement

Die Möglichkeit, rund um die Uhr auf Lerninhalte zugreifen zu können, darf nicht in Stress ausarten oder Leistungsdruck aufbauen. Bei aller Hilfe und Flexibilität, die durch die modernen, digitalen Lernformen geboten werden, steht für jeden Lernenden das Zeitmanagement ganz weit oben auf der Agenda. Die Balance zwischen Lernen und Freizeit soll sich durch die Möglichkeit des ständigen Zugriffs auf Lernmaterial nicht zum Nachteil von Entspannung, Familie oder Privatleben verschieben oder gar Druck ausüben. Es gilt zu prüfen: Wie kann ich den für mich besten Weg durch das (Fern-)Studium finden? Kann ich mit dieser geballten Ladung an flexibler Lerngestaltung umgehen oder brauche ich Strukturen, die ich mir zum Beispiel mithilfe eines Lernplanes schaffe? Helfen mir feste Lernzeiten? Welcher Lerntyp bin ich und was passt da am besten zu mir? Ganz wichtig hierbei: Jeder sollte sich diese Fragen ehrlich beantworten und dann ein eigenes Konzept zurechtlegen. Wer mit den neuen Angeboten nicht gut zurecht kommt, bleibt bei bewährten und altbekannte Lernformen – die können ja auch flexibel gestaltet werden und ein (Lehr-)Buch lässt sich nach wie vor auch im Zug lesen …

 

Autorinnen: Tine Klier/Yvonne Paeßler